27. Oktober 2011

Die Mainstream-Ökonomie im ptolomäischen Zustand/Zeitalter, wo sind Kopernikus und Galileo ? (1)

Dann mal los,
nachdem an x Stellen massive Zweifel am neoklassichen Ökonomie-Theoriegebäude formuliert werden,
sei es im Spiegelfechter aktuell: 

Ökonomenkritik » Spiegelfechter

sei es in Diskussionen mit Journalisten, die eher in der Mainstream-Wirtschafts-Presse tätig sind (z.B. Olaf Storbeck (Handelsblatt)und Patrick Bernau (FAS), die u.a. eine herrvorragende Twitter-Berichterstattung vom Wirtschafts-Nobelpreisträgertreffen in Lindau gemacht haben)

kommt man relativ eindeutig zu dem Schluss:

Es herrscht nicht nur Unbehagen am Zustand der Ökonomie-"Wissenschaft".
Die Diagnosen gehen eher 

  • vom Vorwurf mangelnder Erklärungs- und Prognosekraft über 
  • den Versuch, immer  komplexere esoterisch-ptolomäische anmutende Formeln zu basteln bis 
  • zur Erklärung des kompletten intellektuellen und praktischen(!) Bankrotts.
Da ich zu dem Thema schon einige Zeit Material gesammelt hab, für Interessierte hier ein paar Links zum Einstieg:

Ein sehr pragmatischer Ansatz findet sich in einem meiner Lieblingsartikel beim 

die sich gleich der Frage widmen, welcher Wirtschaftswissenschaftler (nicht nur auf diese beschränkt) eigentlich am meisten zum Zustandekommen der Finanz-, WIrtschafts- und Staatsschuldenkrise beigetragen hat, sei es theoretisch oder ganz handfest praktisch.
Sie veranstalteten einfach eine Art Wahl für einen quasi alternativen Negativ-Nobelpreis, für
"the economist most responsible for causing the Global Financial Crisis",
über 7500 Personen (sehr viele Ökonomen darunter) stimmten ab mit erfrischend witzigen Ergebnissen
The vote totals for the other finalists were:   
Fischer Black and Myron Scholes  2,016   
Eugene Fama   1,668                           
Paul Samuelson  1,291               
Robert Lucas   912                           
Richard Portes   433                                       
Edward Prescott and Finn E. Kydland  403   
Assar Lindbeck   375 

Kurze Zeit später - praktisch parallel zur laufenden Abstimmung oben-  kamen sie auf die Idee,
mal nach "brauchbaren" Ökonomen (meine Formulierung) zu fragen:


The object is to select and award the three economists who first and most clearly anticipated and gave public warning of the Global Financial Collapse (GFC) and whose work is most likely to prevent another GFC in the future.
Das wurde in DE sogar aufgegriffen in der quasi Mainstream-Presse:
wobei die WiWo sinnigerweise nicht einmal den späteren Gewinner in ihrer Liste hatte, quasi die Bestätigung des Armutszustands im deutschen Wirtschaftsjournalismus.
the winner:
Keen, Roubini and Baker win Revere Award for Economics
dazu hier
Steve Keen's Blog debtdeflation
netterweise direkt mit einem passenden link dort:
ein video genannt:
George Monbiot Seminar | Steve Keen's Debtwatch
Given that my audience included academic economists–from PhD students to Professors of some note–I went into more depth on the modelling I have done of Minsky’s Financial Instability Hypothesis than I normally do in public talks. The discussion I had afterwards is also recorded, which is why the video is so lengthy.
Wesentlich grundsätzlicher sind noch folgende zwei Artikel/Publikationen:
und


Understanding Financial Crisis Through
Accounting Model
von Bezemer, Dirk J, Groningen University
(Warnung längeres PDF )


Für nen schnellen Überblick über Minsky und Keen hier die Wikilinks:
Hyman Minsky – Wikipedia
Steve Keen – Wikipedia

engl.:
Hyman Minsky - Wikipedia, the free encyclopedia
Steve Keen - Wikipedia, the free encyclopedia


weiteres Material zu diesem Themenblock sammelt sich bei mir unter:

Ich erinnere mich an die die Minsky Serie bei weissgarnix, aber er hat sie ja depubliziert, mal sehen, ob sich da evtl. noch etwas machen lässt.

So Teil 1 über alt-econ erledigt, 2 weitere in Vorbereitung.

Kommentare:

  1. "Das wurde in DE sogar aufgegriffen in der quasi Mainstream-Presse:
    Wer wird bester Krisenökonom? - Nouriel Roubini - WirtschaftsWoc..
    wobei die WiWo sinnigerweise nicht einmal den späteren Gewinner in ihrer Liste hatte, quasi die Bestätigung des Armutszustands im deutschen Wirtschaftsjournalismus."

    Du musst halt Handelsblatt lesen :-) Wir haben sowohl über den Preis für Greenspan als auch über den für Keen berichtet

    http://www.handelsblatt.com/politik/oekonomie/nachrichten/gefeierte-untergangspropheten/3435958.html?p3435958=all

    http://www.handelsblatt.com/politik/oekonomie/nachrichten/oekonomen-verhoehnen-alan-greenspan/3376474.html

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  2. @Olaf Storbeck ok,

    Du hast mich überzeugt, "damals" war ich noch nicht so weit, "Handelsblatt (zu) lesen"..
    Danke für die Links

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